Grüne Urheberrechtstagung 2012 – Schluss mit weltfremd! [UPDATE: mit Video]

In den letzten Monaten schien die Debatte über die Zukunft des Urheberrechts oft festgefahren und von Emotionen überlagert. Es entstand der Eindruck, als träfen hier zwei Fronten auf einander, die gar nicht oder nur schwer vereinbar sind. Dabei ist allen Beteiligten klar: Das derzeitige Urheberrecht ist nicht mehr zeitgemäß und weder für Kunstschaffende, noch für Verwerterinnen und Verwerter oder Nutzerinnen und Nutzer befriedigend. Zwei Tage lang diskutierten Nutzerinnen und Nutzer, Künstlerinnen und Künstler und Verwerterinnen und Verwerter auf der grünen Urheberrechtsfachtagung "Vergüten statt verfolgen". Hier berichten wir von der Tagung.

In den letzten Monaten schien die Debatte über die Zukunft des Urheberrechts oft festgefahren und von Emotionen überlagert. Es entstand der Eindruck, als träfen hier zwei Fronten auf einander, die gar nicht oder nur schwer vereinbar sind. Dabei ist allen Beteiligten klar: Das derzeitige Urheberrecht ist nicht mehr zeitgemäß und weder für Kunstschaffende, noch für Verwerterinnen und Verwerter noch für die Nutzerinnen und Nutzer befriedigend.

Zwei Tage lang diskutierten Nutzerinnen und Nutzer, Künstlerinnen und Künstler und Verwerterinnen und Verwerter auf der grünen Urheberrechtsfachtagung „Vergüten statt verfolgen“, über die wir ja auch berichtet hatten, darüber, wie ein modernes und faires Urheberrecht entwickelt werden kann – miteinander statt gegeneinander. Im Rahmen der Tagung wurde auch ein Flyer vorgestellt, der die grüne Idee einer Pauschalabgabe erklärt.

Die vom grünen Bundesvorstand gemeinsam mit mehreren Bundesarbeitsgemeinschaften und von Malte koordinierte zweitägige Urheberrechtsfachtagung in den Berliner Uferstudios hatte sich zum Ziel gesetzt, den Dialog zwischen allen Beteiligten auszubauen und zu fördern und neue Konzepte und Auswege aus der derzeitigen Urheberrechtsmisere aufzuzeigen.

In Reden, Podiumsdiskussionen, Fishbowl-Debatten und Foren suchten knapp 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Lösungen für eine Modernisierung des Urheberrechts. Nach der Begrüßung durch Malte am Freitagabend machte Claudia Roth in ihrer Input-Rede deutlich, dass eine faire Ausgestaltung des Urheberrechts im Interesse aller liegt. „Künstler wollen ihre Fans nicht verklagen und Fans nicht ihre Idole abzocken“, so Roth.

Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit Online, erinnerte in seiner wirklich beachtenswerten Keynote daran, dass alle Akteure in der Urheberrechtsdebatte Eigeninteressen verfolgen und forderte dazu auf, diese offen zu legen. Der Blickwinkel vieler auf das Urheberrecht sei außerdem von einer ausklingenden Ära ohne Internet geprägt, was sich deutlich in der aktuellen Gesetzgebung zeige. „Das Leistungsschutzrecht lässt die Bundesregierung entweder seltsam netzfremd oder zynisch erscheinen“.

In der zweiten Keynote des Abends zeigte Jeanette Hofmann, Direktorin am Alexander-von-Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft, anhand verschiedener Beispiele auf, dass soziale Normen das Urheberrecht sinnvoll ergänzen und in Teilen eine Alternative zu gesetzlichen Regelungen darstellen.

Die anschließende Fishbowl-Debatte gab Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Publikum  nicht nur die Möglichkeit, Fragen zu stellen, sondern sich selbst aktiv in die Debatte einzubringen. Auf dem Podium nahmen Jeanette Hofmann, Markus Beckedahl (Vorstand Digitale Gesellschaft) und Olaf Zimmermann (Geschäftsführer Deutscher Kulturrat) an der Diskussion teil. Die Moderation übernahm Konstantin.

Die letzte Debatte des Freitagabends stand schließlich unter dem Motto „Quo Vadis Urheberrecht?“. Während der Podiumsdiskussion herrschte zwischen Juliane Lorens (Präsidentin der Rainer Werner Fassbinder Foundation), Sascha Lobo (freier Journalist, Autor und Blogger) und Luci van Org (Musikerin und Autorin) weitgehend Einigkeit darüber, dass der Großteil der Nutzerinnen und Nutzer nicht illegal vorgehen wolle und somit ein Vergütungssystem gefunden werden müsse, das zum freiwilligen Bezahlen animiert. Moderiert wurde das Gespräch von Matthias Spielkamp (iRights). Sascha Lobo kritisierte, dass die Urheberrechts-Debatte unter Pauschalisierungen und Vereinfachungen leide, obwohl es differenzierter und spezifischer Beiträge bedürfe. Luci van Org merkte an, dass die Beantwortung der Frage, wer mit den neuen technischen Möglichkeiten Geld verdiene, im Mittelpunkt der Urheberrechtsdebatte stehen müsse. In den nächsten Tagen werden noch die Videos der Keynotes nach und nach online stellen.

Der Samstag stand ganz im Zeichen der Interaktion. In acht verschiedenen Foren suchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Lösungen für so verschiedene Problembereiche wie Schutzfristen, Urhebervertragsrecht, Verhältnis zwischen Werkschaffenden und Nutzern, Privatkopien und nicht-kommerzielle Nutzung, Verwertungsgesellschaften, zeitgemäße Vergütungsansätze und Finanzierungsmodelle oder die Rechtsdurchsetzung im Internet.

Hier findet Ihr noch ein kurzes Video von @kre8tiv zur grünen Urheberrechtsgagung 2012:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=scERxMTmjRI&feature=share&list=UU7TAA2WYlPfb6eDJCeX4u0w[/youtube]

 

Dieser Text ist in leicht abgewandelter Form bereits auf gruene.de erschienen.