IPv6 von Beginn verfassungsfreundlich gestalten

Seit 1996 wird an der Einbführung des Adress-Standards Internet Protocol Version 6, kurz IPv6, gearbeitet. Eine kontroverse Debatte hat sich vor allem um die Frage entspannt, ob im Zuge der Umstellung auf IPv6 der Datenschutz auf der Strecke bleibt. Mit der Einführung des neuen Protokolls steigt die Verfügbarkeit von IP-Adressen ins beinahe Unermessliche , wodurch es möglich ist, dass jedes Gerät eine feste IP-Adresse erhalten kann, wodurch wiederrum die Gefahr wächst, dass individuelles Nutzerverhalten leichter identifizierbar ist. Bislang erfolgt die Vergabe von IP-Adressen meist dynamisch, d.h. der Nutzer bekommt bei jeder Einwahl eine neue IPv4-Adresse, die er maximal 24 Stunden behält. Das Prinzip der dynamischen Adressvergabe ist jedoch auch bei IPv6 möglich. Morgen ist der sogenannte "Word IPv6 Launch Day".

Seit 1996 wird an der Einbführung des Adress-Standards Internet Protocol Version 6, kurz IPv6, gearbeitet. Eine kontroverse Debatte hat sich vor allem um die Frage entspannt, ob im Zuge der Umstellung auf IPv6 der Datenschutz auf der Strecke bleibt. Mit der Einführung des neuen Protokolls steigt die Verfügbarkeit von IP-Adressen ins beinahe Unermessliche , wodurch es möglich ist, dass jedes Gerät eine feste IP-Adresse erhalten kann, wodurch wiederrum die Gefahr wächst, dass individuelles Nutzerverhalten leichter identifizierbar ist.

Bislang erfolgt die Vergabe von IP-Adressen meist dynamisch, d.h. der Nutzer bekommt bei jeder Einwahl eine neue IPv4-Adresse, die er maximal 24 Stunden behält. Das Prinzip der dynamischen Adressvergabe ist jedoch auch bei IPv6 möglich. Morgen ist der sogenannte „Word IPv6 Launch Day“. Hierzu habe ich heute folgendes erklärt:

Im Zuge der an Fahrt gewinnenden Umstellung auf den IPv6-Standard von IP-Adressen ist zwingend darauf zu achten, dass die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger nicht hinten runter fallen. Denn mit IPv6 wird es den Providern möglich, Internetnutzern unveränderliche Adressen zuzuweisen.

Der zur Zeit zumindest für die Endverbraucher bestehende relative Schutz der Privatheit durch die Vergabe dynamischer, ständig wechselnder IP-Adressen könnte damit aufgehoben werden.

Klar ist aber auch: IPv6 bietet den Unternehmen weitreichende Gestaltungsmöglichkeiten, mit denen letztendlich sogar ein verbesserter Schutz der Privatheit erzielt werden könnte. Diese Chance gilt es zu nutzen. Daten- und Verbraucherschutz müssen ausgebaut werden.

Grundvoraussetzung hierfür ist eine umfassende Berücksichtigung des Datenschutzes von Beginn an, zum Beispiel durch entsprechende Voreinstellungen auf Technikebene (Privacy by Design). Hier ist die Bundesregierung in der Pflicht. Sie sollte sicherstellen, dass vor allem Internetzugangsanbieter weiterhin auch temporäre, nicht permanente IP-Adressen für die Nutzer, die eine Wahlmöglichkeit haben müssen, bereithalten.

Wir Grüne unterstützen die Forderungen der 33. Internationalen Konferenz der Datenschutzbeauftragten, die weitere konkrete Anforderungen für die Sicherheit und den Schutz der Rechte der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen von IPv6 formuliert hat.

5 Comments

  1. Kai Bojens

    IPv6 bringt uns unter dem Strich einen erheblichen Nutzen für die persönliche Freiheit im Internet. Um mich nicht selber zu wiederholen, verweise ich einfach mal auch mich selber:

    http://kbojens.blogspot.de/2012/05/wie-ipv6-uns-die-freiheit-bringen-kann.html

  2. prauscher

    IPv6 bietet bereits von Haus aus eine gewisse Anonymität: Die Privacy-Extensions. Damit lässt sich der Teil, der das Gerät selbst identifiziert, verschleiern, nicht aber die Netzwerkadresse, die mit heutigen IPv4-Adressen vergleichbar sind.

    Der Grund für eine dynamische Einwahl war früher die geringe Anzahl Flatrate-Kunden. Da die meissten Kunden im Modem und frühen DSL-Zeitalter nur Zeittarife hatten, wählte man sich schnell aus. Also konnte ein Betreiber die gleiche IP-Adresse mehrfach vergeben – es würden sich ja niemals alle Kunden gleichzeitig anmelden.

    Mit dem erhöhten Aufkommen von Flatrates wurde die sog. Zwangstrennung nach 24 Stunden eingeführt, da frühe Modems sich noch häufig aufhängten und damit die Leitung blockierten.

    Beide Gründe sind heute nicht mehr der Fall: Ein Großteil der Anwender sind Flatratekunden und dank IPv6 ist Adressknappheit (erstmal) Geschichte. Provider haben darauf reagiert: Vodafone-Kunden haben keine Zwangstrennung mehr, praktisch alle Kabel-DSL-Provider verzichten ebenfalls auf sie.

    Der Grund der Anonymisierung ist letztlich keiner: Der Netzteil einer IPv6-Adresse zeigt nur, in welchem Abschnitt / an welchem Anschluss der Teilnehmer sich befindet – eine Gerätezuordnung ist z.B. unmöglich, wenn der Teilnehmer die Privacy-Extensions aktiviert (was bei Windows und Mac-Systemen der Standard ist). Dort ist die Anonymität sogar viel besser: Die Endgeräte können alle 10 Minuten ihre Adresse wechseln – und können trotzdem unter einer weiteren Statischen Adresse angesprochen werden.

    Es besteht also kein Grund, den Netzteil der IPv6-Adresse zu verschleiern. Wichtiger ist die politische Erkenntnis, dass sich aus den Anschlussdaten noch nicht der Nutzer herleiten lässt. Diese Erkenntnis ist enorm wichtig gerade für Netze wie Freifunk, aber auch die IPv6-Thematik.

  3. Roland

    Immerhin ist GruenDigital.de schon per IPv6 zu erreichen, im Gegensatz zu den meisten anderen Websites der Grünen…

  4. Pingback: phLogfile

  5. Pingback: JUNG.GRÜN.DIGITAL » IPv6 – was die neue Internettechnologie für uns politisch bedeuten sollte

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