Die Deutsche Content Allianz und viele, viele Fragen

Die Deutsche Content Allianz wirft viele Fragezeichen auf. Fragezeichen eins: Was ist das eigentliche Ziel dieses Zusammenschlusses? Fragezeichen zwei: was bewegt die Öffentlich-rechtlichen Sender, bei dieser Allianz dabei zu sein? Fragezeichen drei: wo sind die Verleger? Fragezeichen vier: Wo sind die anderen deutschen Content-Anbieter?

Die Deutsche Content Allianz wirft viele Fragezeichen auf:

Fragezeichen eins: Was ist das eigentliche Ziel dieses Zusammenschlusses? Fragezeichen zwei: was bewegt die Öffentlich-rechtlichen Sender, bei dieser Allianz dabei zu sein? Fragezeichen drei: wo sind die Verleger? Fragezeichen vier: Wo sind die anderen deutschen Content-Anbieter?

Die letzte Frage zuerst: dass es auch anderen Content im Netz gibt, hat man wohl vergessen. Vorletzte Frage: Die Verleger springen noch mit auf, jedenfalls hat man die Forderungen bereits so formuliert, dass ihnen dies ohne weiteres möglich ist.

Zu den beiden ersten Fragen: Nachvollziehbar ist es, wenn Contentanbieter eine starke Position haben wollen, um mit denen zu verhandeln, die ihre Inhalte durchs Netz leiten. Hier kann ein Zusammenschluss Sinn machen, denn die Netzbetreiber haben es letztlich in der Hand zu entscheiden, was zu welchen Konditionen wie schnell durchs Netz geleitet wird.

Bündnis 90/Die Grünen sprechen sich klar für Netzneutralität aus. Dienstleistungen und Inhalte der Netzbetreiber selbst dürfen nicht bevorzugt werden. Wir wollen außerdem gleichberechtigten Zugang zu Plattformen. Auch und gerade die öffentlich-rechtlichen Angebote dürfen, da öffentlich finanziert, hier nicht benachteiligt werden.

Wir sprechen uns für Neutralität für jeden Content aus, nicht nur für den der Mitglieder der neuen Allianz.
Dann jedoch hört das Verständnis schon auf: Ich erkenne an, dass es in digitalen Zeiten nicht einfach ist, Contenangebote zu Geld zu machen. Für alle, die Content herstellen ist dies die zentrale Frage.

Ich möchte, dass Contenthersteller auch weiterhin von ihrer kreativen Tätigkeit leben können. Deshalb brauchen wir als Gesellschaft eine Antwort darauf, wie dies geschehen kann. Meiner Meinung nach ist jedoch klar, dass das Urheberrecht nicht (mehr) dazu dienen kann, die Basis für neue Geschäftsmodelle zu sein. Die digitale Welt funktioniert anders.

Daher stellt sich die Frage, ob die Content-Allianz den richtigen Weg einschlägt, wenn sie das Urheberrecht und dessen Durchsetzung stärken will. Stärkere Überwachung von Urheberrechtsverletzungen sehe ich kritisch, nicht nur, weil wesentliche Grundrechte davon betroffen sein können, sondern auch, weil mir der Glaube fehlt, dass den Content-Schaffenden dadurch mehr finanzielle Sicherheit entsteht.

Bei der Frage der finanziellen Sicherheit stoße ich mich an der Beteiligung der Öffentlich-Rechtlichen: gerade sie haben doch finanzielle Sicherheit. Ihr Content wird durch die Öffentlichkeit finanziert. Er sollte deshalb auch frei für alle zugänglich sein. Weshalb die Öffentlich-Rechtlichen also nach stärkeren Urheberrechten rufen, entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Eine fragwürde deutsche Allianz.